Wohnmobil-Touren 3

Allgäu Juni 2020. Die touristische Infrastruktur ist weitgehend wieder geöffnet nach dem Corona Lock-down
(abgesehen von Unwetter-bedingten Sperrungen im Höllental)

Diesmal unterwegs mit einem Van / Kastenwagen La Strada Avanti EB (636cm auf Fiat Ducato)
um den Vergleich zum Teilintegrierten Hymer BMCT580 (699cm auf Mercedes Sprinter) der ersten beiden Touren zu ermöglichen
 

 
Camping Zugspitzblick in Grainau (streng genommen zählt Oberbayern bzw. das Werdenfelser Land allerdings nicht zum Allgäu)

 

 
Auffahrt mit der Seilbahn zum Osterfelderkopf mit der Aussichtsplattform AlpspiX (2050m)
Von hier aus zurück zu Fuss zum Campingplatz im Tal (750m), der hier im rechten Bild fast genau in der Bildmitte zu sehen ist: Das sind rund 1500hm Abstieg,
wobei ich dummerweise den Abstieg via Hammersbach gewählt habe der im untersten Teil sehr steil und sehr rutschig ist - viel anstrengender als bergauf!

 
Tiefblick ins Höllental

 
Links: vor dem Massiv der Alpspitze. Rechts: kaum zu glauben dass die Bitte auf dem Weg zur Hochalm ernst gemeint ist

 
8-stündige Radtour bei Regen und Sonne zwischen Wallgau, Mittenwald, Garmisch und Plansee:
Links Schlosshotel Elmau in dem 2015 der G7-Weltwirtschaftsgipfel zelebriert wurde, rechts Hotel Kranzbach mit ähnlichem Ego

 
Links: Kapelle Maria Rast. Rechts: Naidernachtal, in der Bachmitte verläuft die deutsch-österreichische Grenze.

 
Stellplatz inmitten des Zentrums von Oberstdorf. Wegen der Lage empfehlenswert, manche Gruselgeschichte aus den Bewertungen scheint übertrieben.

 
Radtour ins Trettachtal (Spielmannsau) und Rappenalpental (Flugschanze, Fellhornbahn) und dann weiter zum südlichsten Punkt Deutschlands, wobei leider die letzten 2km
für den Crosser nicht mehr gut fahrbar waren und außerdem ist das auch eine recht einsame Gegend. Abschnittsweise erreichen die Steigungen 15...20%.

In den Touristengebieten thronen 90% aller Radler anstrengungsarm auf motorisierten Mountain Bikes, ohne "e" wird man zur Ausnahme.

 
Alpe Breitengehren


Wanderung von Reichenbach (815m) zum Gaisalpsee (1508m) und später über den Wallraffweg zurück nach Oberstdorf (15km).
Hier der Beginn des Weges durch den Gaisbachtobel und dann oberhalb der Gaisalpe entlang von Drahtsicherungen.

Der untere Gaisalpsee vor der Kulisse des Rubihorns (1957m) gilt als einer der schönsten Bergseen in den Alpen. Zurecht! Hotspots wie Nebelhorn, Fellhorn, Breitachklamm kennt jeder,
aber diese Gegend ist weniger bekannt und ich bin auch erst durch einen Youtube-Clip aufmerksam geworden.

 
Der See ist empfehlenswert für eine mehrstündige Pause. Entgegen des Eindrucks hier sind viele Wanderer unterwegs.


 
Vom Wallraffweg zurück nach Oberstdorf kommt man an den Normalschanzen vorbei, früher von einer Bierfirma und heute von einer Autofirma gesponsert.
Um weiter Kasse zu machen ist jeder genauere Einblick kostenpflichtig, siehe auch nachfolgend meine Erlebnisse bei der Flugschanze.

 
Bergstation der Fellhorn-Seilbahn (Gipfelstation war außer Betrieb) und der Weg zur Kanzelwand mit der Bergstation im Hintergrund.


Blick von der Kanzelwandbahn zurück zum Fellhorn (rechts, 2037m) und auf den Aussichtspunkt Rote Wand (links). Wasserteich zur Beschneiung.
Einfache Wege in einer eher sanften Landschaft bzw. Skigebiet.

 
Links Aussichtspunkt Rote Wand nahe der Kanzelwandbahn, rechts der Gipfel des Fellhorns.


Blick vom Fellhorn nach Süden in Richtung Kanzelwand

 
Heini-Klopfer-Skiflugschanze

 
Die Schanzenanlage ist sehenswert. Aber teuer und zum Kassieren des Eintrittspreises rundum total eingezäunt, das erweckt eher einen unsympathischen Eindruck.
Schlimmer jedoch: Die Corona-Schutzmaßnahmen im Schrägaufzug und Turmlift sind unzureichend, das ist eine Zumutung für Besucher.

 
im Avanti EB

   
Das Duschen mit Duschvorhang im kleinen Nassraum funktioniert überraschend gut, der Vorhang ist nicht anschmiegsam und außer Vorhang und Boden bleibt alles trocken.

   
Flexibilität der Bettenanordnung (Quer- oder Längsschlafen) und des Laderaums.
   


Ein ganz persönliches Fazit zum Avanti EB (je nach individuellen Prioritäten kann man das natürlich auch ganz anders sehen):

1) Im Rahmen der räumlichen Möglichkeiten ist der Ausbau und Möbelbau durch la strada lobenswert, allerdings sind einige Dinge Geschmackssache: bei Hekis (Hebe-Kipp-
Dachfenster) mit Kurbeln im BMCT anstelle von Hebeln im Avanti kann man die Öffnung genauer einstellen, in einem Spülbecken mit flachem Boden läuft das Wasser bei leicht
schräg stehendem Mobil nicht ab (wieso hat das die Qualitätskontrolle dem Designer durchgehen lassen?), die Plissees an den 6 Seitenfenstern sind umständlich zu bedienen und
das auch nur mit zwei Händen. Der Doppelboden ohne Stufe ist ähnlich gut wie im Hymer BMCT, allerdings viel flacher mit weniger Stauraum. Leider gibt es kein motorisches
Soft-Close für die Schiebetür wie bei Pössl lieferbar. Das Staufach über den Sitzen ist einerseits riesig, aber andererseits beengend und ich bin da dutzende Male mit dem
Kopf dagegen gestoßen. Bei anderen Herstellern kann man zwischen den Alternativen "mit Staufach" oder "ohne Staufach mit luftigem Raumgefühl unter einem Dachfenster"
auswählen. Der Avanti EB ist etwa 20,000€ günstiger als der BMCT 580 - das ist aber stark abhängig von der Aufrüstung mit Extras.

2) Der Fiat Ducato ist eine Generation hinter dem Mercedes Sprinter zurück, trotz vergleichbarer 9-Gang Wandlerautomatik in allen Mietmobilen: Sehr träger Motor, sowohl
beim Anfahren an der Ampel wie beim Beschleunigen z.B. von 80 auf 100 km/h. Mit dem Sprinter kann man dagegen notfalls einen Ampelsprint gewinnen: Nomen est omen.
Das Ducato-Fahrwerk ist holprig. Der Monitor des Navis hat eine ungünstige Einbauposition und ist wegen Spiegelungen häufig kaum ablesbar. Display-Anzeigen in roter Schrift
auf dunkelrotem Hintergrund sind im Jahr 2020 indiskutabel. Die Sitzposition ist gerade eben noch akzeptabel, Fahrer ab 1.80m schauen gegen die obere Scheibenkante und
müssten eigentlich tiefer sitzen was wegen der Drehgestelle wiederum nicht geht. Vorteil des Ducato gegenüber dem Sprinter ist allerdings die größere Breite (Frontsitze sind
einfacher drehbar, Querschlafen ist möglich) und per Juni 2020 die Ausweisung einer besseren Schadstoffklasse. Der Fiat-Motor erschien mir leiser als der Mercedes-Motor,
das ist aber subjektiv und vielleicht objektiv unzutreffend.

3) Der entscheidende Punkt ist natürlich der Vergleich Van gegen Teilintegriert: Es gilt das in Teil 1 Geschriebene. Dank des hochklappbaren hinteren Teils des Bettes ist ein
Fahrradtransport im Innenraum beim Avanti EB prinzipiell möglich - bei den meisten anderen Kastenwagen geht das so nicht. Mit der Bettenanordnung zum Querschlafen wird
es jedoch zu zweit knapp und die riesigen Schubkästen unter dem Bett sind nicht mehr erreichbar, auch der Zugriff auf die hinteren 4 Dachschränke ist erschwert.

Also: Der Radtransport im Inneren erfordert erhebliche Abstriche in der Raumnutzung - ein riesiger Nachteil gegenüber Teilintegrierten mit Heckgarage. Der Radtransport hinten
außen auf dem Heckträger erscheint mir indiskutabel wegen Diebstahl, Vandalismus, Verschmutzung und auch das Hochhieven und Verzurren erfordert Kraft und zudem auch noch
eine kleine Leiter. Vorteil und gleichzeitig auch Nachteil des Ducato-Vans ist die geringe Breite (205cm gegenüber 229cm beim Teilintegrierten BMCT, bei der Einbeziehung
der Aussenspiegel erhöht sich die Breite auf etwa 250cm bzw. 275cm).

Falls man doch unbedingt einen Van bevorzugt ist es aber kaum möglich den Ducato-Nachteilen durch einen Wechsel zum Sprinter zu entgehen: Der Sprinter ist nur 202cm breit
statt 205cm (und im Kopfbereich noch schmaler) und 593cm statt 636cm lang. Die Motorhaube des Sprinters ist länger als beim Ducato so dass innen effektiv mindestens 60cm
weniger verfügbar sind, insgesamt ein Riesenunterschied im subjektiven und objektiven Raumangebot. Der Sprinter mit Querbetten erfordert Ausbuchtungen in der Karosserie,
bei Längsbetten müssen alle anderen Funktionen zurückstehen. Und beim Sprinter in der Version mit 7m Länge geht es gewichtsmäßig kaum unter 3.5t.

Also: wenn Van, dann Ducato. Wenn Sprinter oder bauähnlicher VW Crafter, dann vorzugsweise als Teilintegrierter.

Zur Klarstellung: wir bewegen uns hier quasi in der Mitte der Wohn- bzw. Reisemobilwelt: Manche Leute wollen wesentlich kleiner Mobile (Kastenwagen mit 541cm, VW Bulli
mit 490cm und einer Höhe von unter 2 statt 3 Metern), andere Leute bevorzugen dagegen Integrierte mit über 8 oder 9m Länge.


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